"Der Wahlkampf ist für mich die schönste Jahreszeit"
Artikel der Grafschafter Nachrichten vom 18.01.2003
von Daniel Klause
Lohne. Eigentlich könnte sich Reinhold Hilbers zurücklehnen und in Ruhe das Ergebnis der Landtagswahl abwarten. 23 Prozent Vorsprung für die CDU umgerechnet auf seinen Wahlkreis Emlichheim bei der vorigen Landtagswahl sind ein beruhigender Vorsprung. Doch auf die Idee käme Hilbers nie. "Der Wahlkampf ist für mich die schönste Jahreszeit, weil man mit unwahrscheinlich vielen Menschen ins Gespräch kommt", sagt der 38-Jährige, der bereits seit November unentwegt durch die sechs Gemeinden seines Wahlkreises tourt. "Für jedes politische Ziel muss man kämpfen und die Leute von neuem von der eigenen Person überzeugen."
Neben dem Werben in eigener Sache kämpft Hilbers darum, dass die Menschen die Politiker wieder ernst nehmen. Der Erfolg von Elmar Brandts "Steuer-Song" ist für ihn ein Beweis dafür, dass immer weniger Menschen glauben, dass Politiker ehrlich meinen, was sie sagen. "Immer weniger trauen uns zu, Probleme lösen zu können."
Außerdem glaubt der Christdemokrat, dass seine Partei noch nie eine so gute Chance gehabt habe wie jetzt, den Wechsel im Land zu schaffen. "Und der Wechsel in Hannover wäre auch ein deutliches Signal nach Berlin", hofft Hilbers, der deshalb bis zum letzten Tag um jede Stimme kämpfen will. Polemik gehört für ihn dabei dazu – Hilbers nennt das jedoch lieber Zuspitzung. "Man muss plakativ darstellen, wofür der Kandidat Hilbers und die CDU stehen, und gelegentlich muss man sich auch zur Wehr setzen", meint der Christdemokrat.
Dass er dabei nicht nur von sich selbst sondern auch von seinen Parteikollegen viel abverlangt, nimmt er bewusst in Kauf. "Politik sollte dynamisch bleiben und diskutiert werden, damit sie besser wird", sagt Hilbers und so handelt er auch, seitdem er im Alter von 15 Jahren in die Junge Union eintrat. "Wir wollten der Motor der CDU in Wietmarschen sein und haben aktiv in der Kommunalpolitik mitgearbeitet." Den Schwung seiner Anfangsjahre hat er sich bis heute bewahrt, wenn er etwa vor Tankstellen Flugblätter gegen Steuererhöhungen an Autofahrer verteilt.
Mit seinem politischen Engagement knüpft Hilbers nahtlos an seine Vergangenheit in der kirchlichen Jugendarbeit in seinem Heimatort Lohne an. Schon als Jugendlicher übernahm er die Organisation von Zeltlagern, des Jugendkellers im Pfarrheim und des Open airs. Nach Realschule und Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann machte er das Abitur an der Fachoberschule Lingen nach und begann ein Betriebswirtschaftsstudium an der Fachhochschule Osnabrück. 1986, mit 21 Jahren, erhielt er erstmals ein Mandat für den Gemeinderat, 1991 zog er in den Kreistag ein.
Gleichzeitig arbeitete Hilbers beständig an seiner Parteikarriere. Er übernahm, allerdings erst nach einigem Zureden, den Vorsitz der CDU-Lohne, dann den Posten des stellvertretenden Kreisvorsitzenden. Von 1994 bis 1998 war er stellvertretender Landesvorsitzender der Jungen Union. Außerdem sitzt er im Bezirksvorstand der CDU und arbeitet im Landesfachausschuss Wirtschaft und Verkehr mit. Hilbers nutzte die Tätigkeiten, um Kontakte zu knüpfen. Mit vielen Landes- und Bundespolitikern ist er per Du.
Sein Denken und Handeln folge einem festen Koordinatensystem: dem christlichen Menschenbild, das der gebürtige Lohner in seinem Elternhaus kennen lernte. Später kam die Überzeugung hinzu, "den Roten etwas entgegen setzen zu müssen". Als er in die Junge Union eintrat, ging die Schmidt-Ära mit hoher Arbeitslosigkeit, Verschuldung und Inflation gerade zu Ende. Der Ansatz der CDU: "Runter mit den Steuern. Der Staat soll nur so viel tun, wie er unbedingt muss", habe ihn begeistert. Heute sei die Situation dieselbe. Fasziniert hätten ihn auch die europäische Einigung und die Ausdauer, mit der Helmut Kohl den Euro durchgesetzt habe. Dennoch sind die Finanzen Hilbers Lieblingsthema – in seinem früheren Beruf als Kundenberater bei der Volksbank Lingen und seit 1999 als Verwaltungsleiter der Lebenshilfe in Nordhorn wie auch in der Kommunalpolitik.
Dass er in seinem Wahlkreis um jede Stimme kämpft, hat noch einen weiteren Grund: Ein gutes Erststimmen-Ergebnis verleiht Gewicht in der innerparteilichen Diskussion. Und Hilbers will sich Gehör verschaffen, wenn es um die wichtigen Fragen geht, die die Menschen in seinem Wahlkreis betreffen. Er will in Hannover mitreden und mitentscheiden. "Dazu gehört auch die Übernahme von Ämtern, wenn sie an einen herangetragen werden."
Themen dieser Meldung: Wirtschaft, Finanzen, Schule